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DIE MUSIKER-PORTRAITS EINES ERLANGER FOTOGRAFEN

Die Ausstellung „What You See Is Music“ von Julien Fertl

„Durch Schwarzweiß kannst Du eine unglaubliche Dichte erreichen“: Fotograf Julien Fertl bei einem Shooting mit dem Jazz-Musiker Torsten Goods. Foto: Peter Kick 

Da schwingt dieser Ton. Doch keine Musik spielt, weder Melodie noch Rhythmus lassen sich ausmachen. Stattdessen ein Bild, das mehr als nur ein Bild ist, sondern eben auch: Klang. Weil Julien Fertl es so will und es so kann. Wer einmal ein Werk des Erlanger Fotografen gesehen hat, erinnert sich lange daran. Wem dies bisher verwehrt blieb, kann ab dem 11. April 2019 (Vernissage ab 19 Uhr) in einer Ausstellung in der Galerie Treppenhaus (Henkestraße 91) einen Einblick in seine Fotografie bekommen. Fertl zeigt dort um die 30 Arbeiten, großformatige Porträts in Schwarzweiß. „What You See Is Music“, was Du siehst, ist Musik – so heißt die Ausstellung. Neben dem Erlanger Jazzgitarristen Torsten Goods und Songwriter Jesper Munk fotografierte Fertl etwa auch die Indie-Band A Tale Of Golden Keys.

„Ich beschränke mich jedoch nicht auf ein Genre“, sagt Fertl. Dass die ausgestellten Arbeiten vor allem Künstler aus Pop, Rock und Blues zeige, sei einfach nur Zufall. Weshalb auch beschränken? Es geht Fertl schließlich um keine Haltung, sondern um Essenz, um diesen einen besonderen Moment, den es einzufangen gilt. „Das ist kein Punkt, den man messen kann“, so Fertl. „Irgendwann weißt Du einfach: Das Bild ist jetzt im Kasten. Das ist aber eher ein Gefühl.“
Julien Fertl kam 1989 im französischen Corbeil-Essones auf die Welt, wuchs in Herzogenaurach auf, studierte dann von 2010 bis 2014 an der Technischen Hochschule Georg-Simon-Ohm in Nürnberg. Studienfach: Design mit dem Schwerpunkt Grafikdesign, Illustration und Fotografie. Seit 2015 arbeitet er als selbstständiger Fotograf. Mit Auftragsarbeiten beschäftigte sich Fertl ebenso wie mit eigenen Reisereportagen. Und eben mit Musikern.

Bei seiner künstlerischen Arbeit nutzt Fertl ausschließlich analoge Fotografie, seine Bilder bekommen eben so diesen ganz bestimmten Ton, diese eindrückliche Atmosphäre und die Ahnung eines feinen Sounds beim Anblick. „Durch Schwarzweiß kannst Du eine unglaubliche Dichte erreichen“, so Fertl. Es gibt keine Ablenkungen, der Fokus lässt sich sehr stark auf eine Sache lenken. „Es ist unglaublich zeitlos. Und gleichzeitig, so habe ich mir sagen lassen, altmodisch, aber das hat derjenige tatsächlich positiv gemeint“, sagt er mit einem Lachen.

Die Ausstellung ist vom 11. April bis zum 5. Juni in der Galerie Treppenhaus, Henkestraße 91, zu sehen. 

Text von Björn Bischoff

 


 

UPCOMING EXHIBITION // SAFE THE DATE

Am Donnerstag, den 11. April 2019 um 19 Uhr wird in der schönen Galerie Treppenhaus in Erlangen meine neue Ausstellung WHAT YOU SEE IS MUSIC eröffnet. More infos to come soon!

 


 

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EIN GUTES FOTO MUSS NICHT UNBEDINGT 

KÜNSTLERISCHEN REGELN FOLGEN


Text von Peter Gruner, Musiker und Journalist


Portraitfotografie ist ein höchst intimer Akt. Der eng begrenzte Wall der Privatssphäre, der Schutzzone, die jeder Mensch um sich errichtet, wird vom unbarmherzig linsenden Objektiv jäh durchbrochen. Leicht stellt sich in dieser Situation beim Porträtierten ein Gefühl der Nacktheit, des Ausgeliefertseins ein. Deswegen hat das, was einen guten Portraitfotografen ausmacht, nur bedingt etwas mit dem Wissen um Lichtverhältnisse und der Wahl des richtigen Objektivs zu tun, aber ganz viel mit Empathie und der Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit ein wechselseitiges Vertrauen aufzubauen. 

Wer die Portraits von Julien Fertl betrachtet, spürt sofort, dass hier einer am Werk ist, für den Fotografie weit mehr bedeutet, als im richtigen Augenblick den Auslöser zu drücken. "Ein gutes Foto muss nicht unbedingt bestimmten künstlerischen Regeln folgen, es zeigt vor allem die Atmosphäre, die vorab aufgebaut wurde", sagt er selbst über seine Arbeit. "Wie gut oder schlecht diese dann ist, liegt vielmehr an der Chemie zwischen Fotograf und Protagonist."

Dabei macht es wenig Unterschied, ob er in einer Wiener Straßenbahn eine alte Frau mit Dackel auf dem Arm verewigt, die versonnen ihren Gedanken nachhängt, oder den Londoner Singer-Songwriter LA Salami, dessen müder, tiefer, abgeklärter Blick den aufdringlich leuchtenden Großstadt-Hintergrund geradezu zu schlucken scheint. Überhaupt, die Musiker: Die Musikwelt mit ihrer verruchten und abenteuerlichen Ausstrahlung hatte schon immer eine besondere Anziehungskraft auf Julien. Als kleiner Junge hörte er die alten Schallplatten seiner Mutter, Simon & Garfunkel, die Beatles, Donavan oder Joshua Kadison. Während der Schulzeit lernte er Gitarre und Klavier, beschäftigte sich schulbedingt viel mit Klassischer Musik und sang im Schulchor. "Daneben hörte ich mit meinem besten Freund Platten: Nirvana, Bush, Marilyn Manson, The Cranberries, Led Zeppelin. Wir gründeten eine kleine Schulband, komponierten eigene Songs und probten ein bis zweimal die Woche. Wir hielten uns schon ein bisschen für Rockstars. Missverstanden, rebellisch, einsame Wölfe", erinnert sich Julien mit einem Lachen. 

Kein Wunder also, dass jemand, der den ewig pubertären Rockstar-Traum einst selbst träumte, ein besonderes Gespür hat für die, die diesen Traum leben – oder es zumindest versuchen. Da ist zum Beispiel Jesper Munk, der Münchener Bluesrock-Aufsteiger, der sich, das im Halbschatten verborgene Gesicht umweht vom Rauch seiner Zigarette, seine Gitarre umhängt: Das Bild wirkt wie eine Inszenierung, ist in Wirklichkeit aber die kunstvoll authentische Darstellung eines jungen Musikers, der sich sein Image mit der gleichen lässigen Geste um die Schultern legt wie sein Instrument. "Ich versuche das, was ich sehe, das, was mir an einem Menschen auffällt, heraus zu arbeiten. Und oft gelingt mir das auch. Ein Bild ist aber am Ende eben auch nur ein Bild. Nur eines aus vielen. Eines, das nur einen Bruchteil seines Lebens darstellt." Oder wie es der berühmte französische Fotograf Robert Doisneau ausdrückte: Eine Hundertstel Sekunde Ewigkeit.


A GOOD PICTURE DOES NOT NECESSARILY HAVE TO ADHERE 

TO CERTAIN ARTISTIC RULES


Text by Peter Gruner . Translation to englisch by James Brunt


Portrait photography is a deeply intimate act. The tightly confined fence of privacy, this shelter that every individual builds around themselves, is abruptly disturbed by a pitilessly peeking lens. It’s easy to feel a sense of nudity, of being at somebody‘s mercy. Due to this, being a good portrait photographer has little to do with knowledge of the correct light conditions and the choice of the proper lense; much more important are empathy and the ability to build mutual trust in a short period of time.

If you look at the portraits of Julien Fertl, you immediately sense that it is the work of someone to whom photography is much more than pressing the shutter release at the right moment. “A good picture does not necessarily have to adhere to certain artistic rules; it primarily depicts the atmosphere which was built beforehand”, Fertl says of his work. “The chemistry between the photographer and the protagonist is the main factor in the quality of the end result.” It makes little difference whether he captures an elderly woman with a dachshund in a tram in Vienna, who absentmindedly reflects on her thoughts, or the singer- songwriter L.A. Salami from London, whose tired, deep, mellow stare seems to almost swallow the brash lights of the big city in the background. Apropos of musicians: The world of music with its nefarious and risky allure has always had a special appeal to Julien. As a little boy he used to listen to his mother’s old records. Among them were Simon & Garfunkel, the Beatles, Donovan, and Joshua Kadison. During his school years he learned to play the guitar and the piano, was introduced to classical music and sang in the school choir.“ In addition to that, I used to listen to many albums with my best friend: Nirvana, Bush, Marilyn Manson, The Cranberries, and Led Zeppelin. We started a small school band, composed our own songs and practised once or twice a week. In our minds, we almost felt like rockstars. Misunderstood, rebellious lone wolves.”, Julien says with a smile while reminiscing about these times.

So it’s no wonder that somebody who dreamt the teenage dream of being a rockstar himself would develop a special intuition for those living the dream – or are at least trying to. Among those is Jesper Munk, a blues rock shooting star from Munich, who is putting on his guitar, his face partially hidden by a shadow and enveloped in a waft of smoke from his cigarette. At first glance, this picture seems like it is staged. However, it is the authentic artistic representation of a young musician who shoulders his image with the same casual gesture as his instrument. “I try to work out the things I see in a person, the things that stand out to me. Often, I manage to do so. But in the end, a picture is merely a picture. One of many. One that only depicts a tiny fraction of his life.” Or how the famous French photographer Ro- bert Doisneau put it: “A hundredth of a second snatched from eternity.”




 


 

 


 

ERLANGER "PAPARAZZI" MIT HÖFLICHEM ABSTAND


Text von S. Mössler-Rademacher

Seit rund zwei Jahren ist er nun für seine Musiker-Porträts unterwegs. Die Ergebnisse, großformatige Schwarzweiß-Aufnahmen, präsentiert er nun ab Samstag bis zum 11. November im „Bongartz – Musik in allen Formaten“: Hier die in Berlin lebende Amerikanerin Hanna Leess.


ERLANGEN - Die Liebe zur Musik und die Neugierde auf Begegnungen mit Menschen: Am Samstag, 14. Oktober, wird um 19 Uhr die Ausstellung "Einblick" von Julien Fertl bei "Bongartz" eröffnet. Die Erlanger Nachrichten haben den Erlanger Fotografen vorab getroffen.

"Ich bin früher oft Musikern, deren Arbeit ich schätze, hinterher gereist. Fast wie ein Paparazzo. Aber immer mit höflichem Abstand", erzählt Julien Fertl und lacht. Vor allem die SingerSongwriter, die Folk-, Rock- und Pop-Musiker haben sein Interesse geweckt. Die erste Band, die er dann vor der Kamera hatte, war die Formation "A Tale of Golden Keys". Fertl erinnert sich: "Ich habe die Musiker bei einem Auftritt in einem Schallplattenladen gehört und war von ihrer Musik begeistert. Ich wollte die Band auch unterstützen. So kamen die Aufnahmen mit mir zustande."

Seit rund zwei Jahren ist er nun für seine Musiker-Porträts unterwegs. Die Ergebnisse, großformatige Schwarzweiß-Aufnahmen, präsentiert er nun ab Samstag (Vernissage ab 19 Uhr) bis zum 11. November im "Bongartz – Musik in allen Formaten" (Hauptstr. 56). "Einblicke" ist der Titel der Schau, die Musiker jenseits der Bühne in den Fokus rückt. Meist arbeitet Fertl mit Tageslicht. "Ich mag Studios nicht, ich möchte die Menschen, mit denen ich mich treffe, nicht einsperren."

Die Fotografien entstanden manchmal beim Essen vorm Konzert oder bei den Künstlern zu Hause. Da blickt den Betrachter beispielsweise ein entspannter David Öllerer alias "Voodoo Jürgens" entgegen, und die Sängerin Hanna Leess präsentiert keck das Tatoo des Peanuts-Pianisten Schroeder auf ihrem Oberarm. Einen langen Tag samt ausgiebigem Spaziergang verbrachte er beispielsweise beim Musiker und Autor Peter "Point" Gruner. Es wurde viel geredet, ehe die Kamera zum Einsatz kam. Fertl ist eben auch ein Freund der Entschleunigung.

Seit geraumer Zeit setzt Fertl auf die analoge Fotografie. Eine bewusste Entscheidung. "Digital-Kameras sind verführerisch. Alles geht schnell, man kommt schnell zu Ergebnissen, und gerade Anfänger glauben schnell, dass sie Fortschritte machen", erklärt der Erlanger. Doch er ist sich sicher: "Analoge Fotografien besitzen mehr Seele."

Julien Fertl wurde 1989 in Corbeil-Essonnes in Frankreich geboren. Er studierte an der Technischen Hochschule Georg-Simon-Ohm in Nürnberg und legte seine Schwerpunkte in der Ausbildung — nach Beschäftigung mit Grafik-Design und Illustration — schnell auf die Fotografie.

Er lebt und arbeitet als freier Fotograf in Erlangen.

 


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